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Henrik, lyver du? in der Presse:
Ibsen auf deutsch, bitte
Ein Dichter, der seit 100 Jahren tot ist, kann nicht „unglaublich aktuell“ sein, sagt Regisseurin Susanne Øglænd.
Morgen treffen sich Bergen und Berlin in ihrem Henrik, lyver du?. „In Norwegen ist Ibsen ein Nationalheld geworden, mit dem man nichts anstellen darf. Man geht davon aus, dass er unglaublich politisch, modern und aktuell ist. Ich glaube nicht, dass man sagen kann, dass ein Mann, der 100 Jahre tot ist, so unglaublich aktuell sein kann“, meint Regisseurin Susanne Øglænd. Die Rollen in Henrik, lyver du? Eine deutsch-norwegische Reise sind mit deutschen und norwegischen Schauspielern besetzt. Das Stück hat morgen als krönender Abschluss des Ibsenjahres am USF Premiere präsentiert von BIT teatergarasjen. Es spielt in unserer Zeit, besteht aber zu 90% aus Ibsendialogen unterschiedlicher Stücke. Dunkle Vergangenheit Wollte keinen Ibsen haben
Mehr Norwegen wagen
Von Bergen nach Berlin: "Henrik, lyver du?" bringt ein Ibsen-Destillat auf die Bühne
Berlin. So mögen sich Dichter ihren Nachruhm vorstellen. Die rumänische Post stiftete Henrik Ibsen eine Briefmarke, bei einem Festival in Bangladesch führten Ensembles aus dem Fernen Osten seine Stücke vor, und "Peer Gynt" lief vor zwei Wochen vor den Pyramiden von Gizeh. Der nach Shakespeare meistgespielte Dramatiker reist um die Welt. Wenig staatstragend, dafür zweisprachig, kommt "Henrik, lyver du?" daher, eine deutsch-norwegische Kooperation, die nach vier Auftritten in Bergen, Ibsens erster, erfolgsarmer Station als Intendant, nun sechs Auftritte im Berliner "Theaterdiscounter" absolviert. Aus 27 Stücken Ibsens hat Regisseurin Susanne Øglænd fünf Figuren destilliert. Ein norwegisches Ehepaar: Bjarme, der Philosoph, Dina, das Muttchen. Ein deutsches Ehepaar: Tom, der Schwermutsforscher, Hilde, der Vamp. Und "Mann", der namenlose Dichter. Während eines von Verführung, Eifersucht und Zweifeln getränkten Wochenendes in der norwegischen Provinz schleudern sie sich Ibsen-Dialoge an den Kopf und spielen mit Zitaten über den Dramatiker ("sensitiver Dilettant") zur jaulenden Geige (Komposition: Johannes Motschmann). Wie hoch kann das Vergnügen an einer Aufführung sein, deren halber Inhalt unverstanden bleibt, außer von den jungen Skandinavisten im Publikum? Erstaunlich hoch. "Henrik, lyver du?" ist assoziativ, reibungsvoll, rätselhaft. Ein Beweis für die Kraft des Schauspiels, wenn Sprache auf Klänge reduziert wird. Bjarme (Anderz Eide), benannt nach Ibsens Pseudonym, kläfft auf allen vieren, schwingt mit lilafarbenem Norwegerpulli im Ikea-Sessel, und was immer er da auf norwegisch schreit und brüllt, der Mann hat auf jeden Fall eine unbändige Kraft. Dina (Cecilie Jørstad), mit seligem Lächeln, Puffärmeln und kleinbürgerlichem Fimmel für Weihnachtssterne, erfüllt das Kindchenschema, und doch gilt auch für sie das Zitat aus der "Wildente": "Nimm einem Menschen seine Lebenslüge, und du nimmst ihm zugleich sein Glück." Im Hintergrund der Kulisse aus schlichter Tafel, Campingstühlen, antiquarischen Büchern im Aquarium macht sich eine Leinwand breit (Video: Kathrin Krottenthaler), die auf die Sprünge hilft, wo die Sprache fehlt: Ein Transvestit schreit von Mutterliebe, ein Clip macht PR für eine Ibsen-Talkshow. Und der tote Dichter, ist er nun zu "Fusion Food" verkocht, geschmacksneutralisiert ins 21. Jahrhundert überführt, nachdem er ursprünglich doch gegen das Bürgertum des 19. Jahrhunderts schoß? Ibsen lebt weiter. Hilde, der Vamp unserer Tage, spielt mit dem Gewehr - wie die "Hedda" in uns allen. |
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